Lebhafte Diskussionen beim Bau-Forum II der Fraunhofer-Allianz Bau

(c) buildingSMART - Gunther Wölfle

Am zweiten Bau-Forum am 2. Dezember 2015 in Berlin, veranstaltet von der Fraunhofer-Allianz Bau, beteiligten sich auch drei BIMiD-Projektpartner mit eigenen Vorträgen. In den vielen Diskussionen wurde deutlich: Vor allem in der Architektenschaft gibt es nach wie vor große Vorbehalte gegenüber dem modellbasierten Planen und Bauen entlang von BIM-Prozessen. Eine Erklärung hierfür: Manche Architekten setzen offenbar "Standardisierung" immer noch mit "Plattenbau" gleich. 

Veranstaltungsort war das Fraunhofer-Forum in Berlin Mitte (“SpreePalais”), unweit des Berliner Doms. Der Gastgeber, die Fraunhofer-Allianz Bau, ist der Zusammenschluss von 15 Fraunhofer-Instituten, die Ihre Bau-Kompetenzen bündeln.

Die Veranstaltung stand unter dem Titel "Industrialisierung und Digitalisierung des Bauwesens in Deutschland" und bot ein ganz breites Spektrum unterschiedlicher Themen. Die BIMiD-Projektpartner Fraunhofer IBP, Fraunhofer IAO und Jade Hochschule brachten in ihren Vorträgen ihre Themen aus dem Förderprojekt BIMiD ein.

Prof. Hans-Hermann Prüser erläuterte in seinem Vortrag "Digitalisierung in der Lehre", wie er und sein Team an der Jade Hochschule in Oldenburg aus den Beobachtungen bei den BIMiD-Referenzprojekten Erkenntnisse für die eigene Lehre und für ein zukünftiges Berufsbild "BIM-Manager" ableiten. Seine interessante These: Der vielzitierte "BIM-Manager" in den derzeitigen Diskussionen in Deutschland ist vielleicht nur ein temporäres Phänomen – solange BIM noch nicht selbstverständlicher Bestandteil der Ausbildung von Architekten und Ingenieuren ist und es einen großen Bedarf gibt, die vielen Fachleute im Beruf weiterzuqualifizieren. 

Günter Wenzel vom BIMiD-Projektpartner Fraunhofer IAO zeigte in seinem Vortrag "Digitales Bauen: Entwickeln - Erleben - Entscheiden" die Potenziale von Virtual Engineering für Kommunikation und Entscheidungsprozesse bei Bauprojekten. Dabei ging er ausführlich auf "Immersive Baubesprechungen" ein, wie sie im Rahmen von BIMiD für das Planerteam des Referenzobjekts der VW Financial Services in Braunschweig angeboten werden.

Auch Thomas Kirmayr vom Projektpartner Fraunhofer IBP präsentierte in seinem Vortrag über "Identifizierte Nutzenpotenziale digitaler Prozesse" die vielen Mehrwerte durch Planung mit BIM, die vom Bauherrn des BIMiD-Referenzobjekts, der VW Financial Services AG, heute bereits konstatiert werden: Neben den zahlreichen Vorteilen in der Planungsphase (Entscheidungshilfen bei Gestaltungs- und Kostenfragen, Kollisionsprüfung durch Modelcheck, Immersive Baubesprechungen) war auch die Ausschreibung der wichtigsten Gewerke überraschend stressfrei. Mit Beginn der Rohbauarbeiten im August wird der Baufortschritt fortlaufend mittels Lasertechnik dokumentiert und mit dem BIM-Modell abgeglichen. Außerdem führt das mit dem Rohbau beauftragte Unternehmen das Bautagebuch in elektronischer Form, die Abrechnung der Leistung erfolgt wiederum durch den Abgleich mit dem Modell. 


Kritische Töne kamen vor allem von dem Münchner Architekten Georg Brechensbauer. Architekten fühlten sich durch die im BIM-Kontext häufig postulierte Verbindung von Planung und Bauausführung sowie die festzustellende Konzentration vieler Leistungen in vergleichsweise frühen Planungsphasen in ihrer Existenz bedroht. Außerdem befürchtet er nach den Erfahrungen einer exzessiven Rationalisierung in der Nachkriegsmoderne (“Plattenbau”) durch BIM einen massiven Verlust an Baukultur, wenn alle Planer zukünftig dieselben Bauteile aus CAD-Katalogen nutzten.

Insbesondere dieses häufig geäußerte Vorurteil konnte die Referentin Dr. Ilka May, die in Ihrem Vortrag die Arbeit der planen-bauen 4.0 GmbH vorstellte, mit Unterstützung aus dem Publikum entkräften: Der Begriff “Standardisierung” bezieht sich auf Prozesse und Schnittstellen, aber mitnichten auf die Gestaltung wie beispielsweise durch Vereinheitlichung von gestalterischen oder konstruktiven Details. Der Vergleich mit Massenware, die als Ergebnis von Bauen mit BIM von den Kritikern gerne beschworen werde, sei völlig fehl am Platz. Im Gegenteil: Architekten könnten sich wieder mehr um ihre eigentlichen gestalterischen und konstruktiven Details kümmern und müssten sich weniger Gedanken über Arbeitsabläufe und Probleme des Informationsaustauschs machen.


Weitere Referenten waren  Prof. Dr.-Ing. Gunnar Grün (Fraunhofer IBP), Klaus Pöllath (Vizepräsident Technik, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie) und Dr. Veit Steinle (Abt.-Ltr. Grundsatzangelegenheiten im BMVI).

Nähere Informationen auf der Seite der Fraunhofer-Allianz Bau.

02.12.2015