Chancen von BIM für die Versicherungswirtschaft

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Durch BIM werden eine Vielzahl an Informationen und Daten zu einem Bauwerk erstellt, verarbeitet und letztlich für Planung, Bau und Betrieb genutzt. Die selben Daten jedoch können wertvoller Rohstoff für Versicherungen sein, um den technischen und auch wirtschaftlichen Risikoschutz zu optimieren. Das sagt Dr. Mingyi Wang vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft im Interview.

Warum ist BIM – Building Information Modeling – für die Versicherungswirtschaft interessant?

Da gibt es gleich mehrere Aspekte. Zum einen ist der Punkt Risikoschutz. Versicherer sind bereits bei der Planung und Erstellung des Bauwerks stark involviert, etwa bei der Absicherung der Bau- und Montageleistungen bis hin zu Berufs- und Betriebshaftpflichten für die jeweiligen Planungs- und Ausführungsgewerke. Somit sind Versicherer u. a. auch Partner des Risikomanagements auf der Baustelle. Zum anderen soll mit der breiteren Anwendung von BIM insbesondere Planungsfehler minimiert und ein reibungsloser Bauablauf erreicht werden, was im Stufenplan "Digitales Planen und Bauen" der Bundesregierung als Ziele formuliert sind. Dabei ist die Optimierung der Qualität bei der Planungs- und Bauausführung auch ganz im Sinne der Schadenverhütung und somit Bestandteil des Risikomanagements, das von den Versicherern als Risikoträger für die Wirtschaft ausdrücklich befürwortet und unterstützt wird.

Welche Vorteile sehen Sie in BIM?

Die Vorteile liegen in der ersten Linie in optimierten Prozessen beim Planen und Bauen durch die Digitalisierung. Damit einhergehend können Mehrkosten durch Planungsfehler und Ausführungsmängel minimiert werden. Diese Mehrkosten liegen einer Erhebung nach bei rund zehn Prozent des Branchenjahresumsatzes des Bauhauptgewerbes mit zuletzt etwa zehn Milliarden Euro in 2014. Zum Vergleich: Das Hochwasser an der Elbe 2002 hat volkswirtschaftliche Schäden von rund 11,6 Milliarden Euro verursacht. In etwa gehen uns diese Summe also pro Jahr durch Planungs- und Ausführungsmängel am Bau verloren. Die digitale Prozessoptimierung der Planungs- und Bauprozesse strahlt zudem auf die Prozesse des Risikoschutzes aus, da Digitalisierung in der Versicherungswirtschaft auch verstärkt thematisiert wird. Sind Daten und Informationen über ein zu versicherndes Bauvorhaben und Bauwerk, z. B. Standort, Nutzungsart, Bauverfahren, Bauwerksstruktur, verwendete Produkte und Systeme für Baustoffe, Bauarten und Gebäudetechnik, digital und strukturiert verfügbar, etwa in der gemeinsamen Datenumgebung für BIM-Projekte, können sie direkt die digitale Risikoerfassung und -bewertung zugeführt werden.

Werden Versicherungen Bauherren belohnen, wenn sie mit BIM bauen?

Prämienkalkulation obliegt jedem einzelnen Versicherungsunternehmen selbst. Schließlich haben wir einen wettbewerbsintensiven Markt. Versicherer sind jedoch rechtlich gehalten, eine risikoadäquate Prämie zu kalkulieren. Grundsätzlich können sich daher risikomindernde Maßnahmen positiv auf die Prämie auswirken. Dies ist nach einer aktuellen Erhebung allerdings noch nicht zu beobachten, auch weil BIM-Projekte insgesamt noch nicht in großer Anzahl realisiert sind. Dennoch sehen wir in der verbreiteten Anwendung von BIM die reale Chance, den Risikoschutz für die Wirtschaft sowohl technisch als auch wirtschaftlich weiter zu optimieren.   


01.06.18
 

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