Aktueller Stand zu BIM Normung und Standardisierung

Piet Meyer

Der Oldenburger BIM-Nachmittag ist eine neue Serie von Informations- und Qualifizierungsangeboten des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Planen und Bauen an der Jade Hochschule in Oldenburg. Der erste BIM-Nachmittag ist am 13. Mai 2019, es folgen weitere drei Termine bis Ende Juni 2019. Michael Raps, Diplom Ingenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Jade Hochschule, ist Experte für BIM und besonders für Normen und Richtlinien im Bereich BIM. In vielen Gremien arbeitet er aktiv mit an der Entwicklung von nötigen Normen und Standards für das digitale Planen, Bauen und Betreiben. Im Interview berichtet er, wie Normen und Richtlinien die Arbeit mit BIM beeinflussen und wie die Arbeit mit BIM wiederum rückwirken auf Normen und Richtlinien.

Dipl.-Ing Michael Raps, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Jade Hochschule und Forscher zum Thema Bauinformationsmodellierung, sowie Experte bei DIN und VDI zu BIM, referiert im Rahmen der BIM-Nachmittage an der Jade Hochschule über Normungen und Standardisierung im BIM Prozess. Jeweils Montags von 14:30 Uhr bis  17:30 Uhr am 13. Mai 2019, 20. Mai 2019, 17. Juni 2019 und 24. Juni 2019 werden unterschiedliche Blätter der VDI Richtlinie 2552, sowie die DIN EN ISO 19650 und DIN EN ISO 16739 im Schlauen Haus in Oldenburg vorgestellt und im Anschluss diskutiert. Die Ergebnisse der Workshops werden im BIM-Sommermeeting Anfang September dieses Jahres  vorgestellt. Gute Gründe, den Referenten zum Thema zu befragen.

Wie beeinflussen Normen und Richtlinien die Arbeitsweise mit BIM und wie wirkt sich das Arbeiten mit BIM wiederum auf diese Standards aus? 
Natürlich ist es einfacher, seine Arbeit anhand von bestehenden Normen und Richtlinien zu gestalten. Allerdings fallen diese Standards auch nicht vom Himmel. Standardisiert wird das, was (vor-)gelebt wird. Also nicht abwarten, sondern anfangen und mitgestalten! Davon bin ich überzeugt und deshalb engagiere ich mich aktiv in den Arbeitskreisen des VDI und der DIN. Gemäß Selbstverständnis beider Institutionen wird nur standardisiert, was „Stand der Technik“ ist. Nun ist aber gerade im Bereich BIM der Stand der Technik schwer zu fassen, da das Feld der Anwender sehr inhomogen ist. Von (very) little BIM, nur ein Gewerk in einer Phase, bis zu BIG BIM, über alle Gewerke und alle (HOAI) Phasen, gibt es viele Zwischenstufen. Es lassen sich aber grob drei Level unterscheiden. Dabei soll reines Linien und Flächen basiertes CAD noch nicht als BIM, sondern als „Level 0“ gelten. Im Level 1 wird damit begonnen, dass man Objekt-basiert modelliert. Im Level 2 kommt dann die Modell-basierte Kooperation hinzu. Im Level 3 sehen wir dann eine integrierte, kooperative, ganzheitliche Projektabwicklung. Alle Level sind in Deutschland vertreten und werden gelebt. Die Mehrheit (der Firmen die über Level 0 raus sind) bewegt sich dabei im Level 1 und 2. Daher wurde bei der Erstellung der Richtlinienreihe 2552 des VDI auch darauf geachtet diesen Bereich abzudecken, ohne allerdings Level 3 zu verbieten. Da sowohl bei DIN als auch beim VDI die Standards in regelmäßigen Intervallen überprüft und angepasst werden und das standardisiert wird, was gelebt wird, gilt es zu agieren und nicht nur zu reagieren.

Vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen ist die BIM-Methode noch unklar…zu Recht?
Von der VDI Richtlinienreihe 2552 zu BIM, welche aus zur Zeit elf Blättern besteht, ist bereits eines erschienen, sechs weitere befinden sich in der öffentlichen Vernehmlassung und zwei weitere kommen noch dieses Jahr als Entwurf heraus. Auch bei DIN, und damit ISO und EN, gibt es bereits einige Normen zum Datenaustausch. Außerdem ist die DIN EN ISO 1960, als zentrales Dokument zum standardisierten BIM, im Entwurf veröffentlicht und wird in Kürze in Kraft treten. Auch große Bauherren, sowie Firmen des Bauhauptgewerbes und nicht zu vergessen diverse Verbände haben bereits entsprechende Dokumente publiziert. Wer also noch nicht weiß, wie anfangen: Jetzt informieren und lernen, z.B. durch Anfrage beim Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen.

Es sind auch kritische Stimmen zu hören, die der Meinung sind, dass BIM in fünf Jahren Geschichte sein wird. Was meinen Sie dazu?
Vielleicht ist der Begriff BIM in fünf Jahren Geschichte, die Inhalte aber ganz sicher nicht. Die Digitalisierung schreitet mit schnellen Schritten voran, in einigen Bereichen unseres Lebens schneller, in anderen, wie der Baubranche,  mitunter etwas langsamer. Aber aufhalten oder gar zurücknehmen wird sie sich nicht mehr lassen. Daher gilt auch hier: Gehe mit der Zeit oder Du gehst mit der Zeit.


04.04.19