„BIM wird Standard für die Bauwirtschaft“


Durch Digitalisierung ergeben sich Veränderungen im Planungs- und Bauprozess sowie für die spätere Nutzung bis hin zum Abriss und zur Entsorgung. Generell lässt sich feststellen, dass derzeit noch eine große Unsicherheit bezüglich dieser Vorteile besteht. Es müssen Erfahrungen in der Durchführung gesammelt werden. Dieses erfordert entsprechendes Handeln und Vorgehen. Im Interview erklären Axel Bürkner und Volker Otto-Küstner von der BIM2B Ingenieurgesellschaft Hannover, wie der Einstieg in BIM gelingen kann und welche konkreten Vorteile sich durch BIM ergeben.

Volker Otto-Küstner hat an der TU Braunschweig studiert. Er ist seit über 30 Jahren im Consultingbereich für die Bauwirtschaft tätig, davon die letzten drei Jahre schwerpunktmäßig mit der BIM-Planungsmethode. Seit Anfang 2019 ist er bei der von Axel Bürkner im Jahre 2018 in Hannover gegründeten Ingenieurgesellschaft BIM2B als BIM-Consultant und Handlungsbevollmächtigter beschäftigt. Axel Bürkner hat an der TU Clausthal studiert. Seit 2016 hat er in einem Ingenieurbüro für das Bauwesen ein Kompetenzteam BIM geleitet. 2018 hat er die Ingenieurgesellschaft BIM2B mit sechs Mitarbeitern gegründet.

Im Interview stellen die BIM-Experten dar, welche Herausforderungen es gibt und wie diese zu meistern sind. Sie plädieren unter anderem für ein schrittweises Vorgehen und möchten ermutigen, sich nicht von Fehlern abschrecken zu lassen. Mit Blick auf BIM gelte ohnehin: „Lieber einen Fehler im digitalen Zwilling als im realen Bauwerk.“

Sie haben vielfältige Erfahrungen mit der öffentlichen Bauverwaltung und mit öffentlichen Versorgungsunternehmen gemacht. Oft herrscht Unkenntnis über die Ziele, Inhalte und Standards des BIM-Planungsprozesses. Welche Standards gibt es und von wem? Welche sind verbindlich?

Hier ist „learning by doing“ zu empfehlen. Ausgesuchte, engagierte und motivierte Mitarbeiter sollten in der erforderlichen Software ausgebildet werden und anhand eines Pilotprojektes mittlerer Größe und Anforderung BIM anwenden. Ein externes Consulting durch ein einschlägig erfahrenes Planungsbüro ist zu empfehlen. Die erforderlichen Standards werden vom VDI und vom Deutschen Institut für Normung aktuell entwickelt. Der buildingSMART e.V., bei dem wir auch Mitglied sind, engagiert sich ebenfalls in diesem Bereich.

Wenn Sie die Modelle aufgebaut und die notwendigen Daten hinterlegt haben, wer pflegt nach der Übergabe an den Bauherren die Modelle weiter? Wo ist der Nutzen für die Betriebsphase?

Hier ist ganz wichtig zu betonen, dass das I im BIM den Nutzen darstellt – das M liefert mit dem geometrischen Modell die Visualisierung. Es ist zu Anfang der Projektphase festzulegen, wer die Modell- und Datenpflege betreibt. Wir bieten das als Dienstleistung an, aber aufgrund des Lebenszyklus eines Gebäudes sind diese Informationen über kurz oder lang durch das eigene Facility Management bzw. entsprechend geschulte Mitarbeiter zu pflegen. Man darf auch keine Angst davor haben, Fehler zu machen – wer arbeitet macht Fehler, nur wer nicht arbeitet, macht keine Fehler. Lieber einen Fehler im digitalen Zwilling als im realen Bauwerk.

Aber BIM ist doch derzeit immer noch nur etwas für die „Großen“, oder?

Derzeit stellt es sich noch so dar, dass die großen Player durch die notwendigen Investitionen zur Einführung der BIM-Arbeitsweise im Vorteil sind. Aber auch der kleine oder mittelständische Handwerker kann mit engagierten Geschäftsführern sehr flexibel reagieren. Die Rolle des Handwerks ist gerade bei Bestandsgebäuden immens wichtig – wer hier das Thema Digitalisierung, BIM und smarte Gebäudetechnik nicht mitgeht, wird es in absehbarer Zeit sehr schwer am Markt haben. Es ist nun einmal der Stand der Technik und auf absehbare Zeit wird BIM zum Standard in der gesamten Bauwirtschaft werden.


29.05.19