DIPAS – Digitales Partizipationssystem

Unter dem Motto „Digitale Bürgerbeteiligung weiterdenken“ verbindet das Digitale Partizipationssystem (kurz DIPAS) das Hamburger Online-Beteiligungstool mit digitalen Planungstischen zu einem integrierten digitalen System der Beteiligung. Bürger*innen können von zu Hause aus, mobil oder in Veranstaltungen digitale Karten, Luftbilder, Pläne, 3D Modelle und Geodaten abrufen und ein genau lokalisiertes Feedback zu Planungsvorhaben geben und sich so an der Gestaltung ihres Quartiers und ihrer Stadt aktiv beteiligen. Das System ist zudem seit 2021 als Open-Source Software verfügbar und kann von interessierten Kommunen, Institutionen oder NGOs nachgenutzt werden.

Zielsetzung:

Ziel des Digitalen Partizipationssystems ist die Ausweitung und Verbesserung der Beteiligung der Hamburger Stadtgesellschaft an Planungs- und Entwicklungsprozessen durch die Bereitstellung eines ergänzenden digitalen Tools. Bürger*innen haben so die Möglichkeit, sich flexibel, zeit- und ortsunabhängig und außerhalb von Veranstaltungen und Workshops zu beteiligen. Durch eine themenoffene Gestaltung bietet DIPAS die Möglichkeit, Verfahren zu den verschiedenen Themen der Stadtentwicklung und in den unterschiedlichsten räumlichen Kontexten durchzuführen und so Planungs- und Entwicklungsprozesse effizient zu unterstützen. Eine zusätzliche Bereitstellung von Informationen zu den Planungen fördert aktiv die Steigerung der Transparenz in der Stadtgesellschaft. Eine erfolgreiche vorlaufende Beteiligung kann für die Beschleunigung von Planungsprozessen entscheidend sein, da eine frühzeitige und aktive Beteiligung der Bürger*innen spätere Klagen und Proteste minimieren kann. Durch die Kompatibilität mit den bereits vorhandenen digitalen Tools und der technischen Infrastruktur der Freien und Hansestadt Hamburg werden Mehrwerte generiert und die Außenwirkung als bürgerzentrierte und dynamische Verwaltung gestärkt.

Umsetzung:

DIPAS ist als Forschungs- und Entwicklungsprojekt gemeinsam von der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW), dem Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung (LGV) und dem CityScienceLab (CSL) der Hafencity Universität Hamburg (HCU) zwischen 2017 und 2020 entwickelt worden. Mit DIPAS können Bürger*Innen georeferenziertes Feedback zu Planungsvorhaben geben und z. B. digitale Fachkarten, Luftbilder sowie das 3D-Modell der Stadt abrufen. Die Anwendung kann nicht nur mit dem eigenen Computer zu Hause, sondern auch von unterwegs mit dem Smartphone oder auch vor Ort in Workshops gemeinsam mit Projektverantwortlichen an einem digitalen Datentisch (Touchtable) genutzt werden. So können bei Veranstaltungen in kleineren moderierten Gruppengesprächen städtische Geodaten, digitale Modelle und Simulationen leicht und verständlich gezeigt werden. Sowohl Online als auch vor Ort werden die digitalen Beiträge der Bürger*innen in einer gemeinsamen Datenbank erfasst und können so von den planenden Dienststellen medienbruchfrei und daher besonders effizient ausgewertet werden. Durch die Bereitstellung von räumlich relevanten Daten wird das gesamte Potenzial an städtischen öffentlichen Daten, wie thematische Fachkarten und das digitale Stadtmodell, nicht nur online, sondern auch vor Ort nutzbar. Der Einsatzbereich von DIPAS umfasst ein breites Spektrum und eignet sich besonders für den Einsatz bei Planungen und Entwicklungen mit einem starken räumlichen Bezug. DIPAS ist so ein wichtiges Werkzeug in einem komplexen mehrstufigen Beteiligungsverfahren, in denen Präsenzformate und Online-Elemente crossmedial miteinander verschränkt werden.

Technische Umsetzung:

In Hamburg werden die Verfahren gemeinsam mit dem LGV aufgesetzt und von den Projektverantwortlichen mit Unterstützung der Stadtwerkstatt umgesetzt. Das Interface besteht aus einem Backend, das von den Projektverantwortlichen individuell mit Inhalten befüllt werden kann und einem Frontend, das den Bürger*innen vielfältige Interaktionsmöglichkeiten bietet. Im Frontend werden von den Bürger*innen erstellte Beiträge in einer Liste oder georeferenziert in einer interaktiven Karte dargestellt. Ergänzend dazu finden sich Seiten im Menü mit Informationen zum Projekt, zum allgemeinen Verfahren und anstehenden Terminen. Projektverantwortliche können zudem in DIPAS Dokumente zur Verfügung stellen und Videos einbetten. Die Konfiguration im Backend erfolgt über eine Administrationsoberfläche, die es den Projektverantwortlichen ermöglicht, ihr Verfahren selbstständig und einfach zu moderieren. Das Backend beruht auf dem Content-Management-System Drupal. DIPAS ist in die IT-Infrastruktur der Stadt eingebettet und greift auf Geo-Daten der Urban Data Platform zurück.

Fazit:

Eingesetzt wird DIPAS in Hamburg überall dort, wo die Stadt mit ihren Bürger*innen in den Austausch treten möchte. Auf diese Weise haben sich die Bürger*innen bisher im Rahmen von rund 70 DIPAS-Verfahren u. a. zu Mobilitätskonzepten im Quartier, der Entwicklung eines Lärmaktionsplans und eines Klimaschutzkonzeptes oder aber auch zu Themen der sozialen und Freiraumentwicklung beteiligt. Bis zum Sommer 2021 sind verfahrensübergreifend über 17.000 Beiträge mit Ideen, Wünschen, Kritik und Anregungen von Bürger*innen eingegangen. Auf der Website der Stadtwerkstatt der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen finden Sie die aktuellen Beteiligungsverfahren, die mit dem DIPAS-Tool durchgeführt werden.

Ausblick:

Gemeinsam mit den Städten Leipzig und München wird DIPAS als Teil des Projektes Connected Urban Twins (CUT) erprobt und weiterentwickelt. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung von digitalen urbanen Zwillingen, die auf städtischen Datenplattformen beruhen und für innovative Anwendungsfälle der Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung eingesetzt werden sollen. Im Zuge dessen soll DIPAS auch in den Partnerstädten implementiert und genutzt werden. Hierbei sollen neue Erkenntnisse zum Transfer und zur Anwendungstauglichkeit in anderen Städten und deren gesellschaftlichen, politischen und administrativen Kontexten gewonnen werden.

Beteiligte Organisationen

Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen – Stadtwerkstatt
Im April 2012 hat der Hamburger Senat auf Ersuchen der Bürgerschaft beschlossen, eine „Hamburger Stadtwerkstatt“ als Plattform für Planungsinteressierte einzurichten, mit der „eine neue Planungskultur in Hamburg“ gefördert werden soll (Drucksache 20/3939). Hamburg will diese neue Planungskultur erreichen durch eine Verstärkung der Information und Partizipation bei Stadtentwicklungsprojekten und Umweltschutzthemen. Dazu zählen alle Informations- und Beteiligungsverfahren, die über die formelle, d.h. die im Baugesetzbuch geregelte Bürgerbeteiligung hinausgehen. Die Stadtwerkstatt bildet das Dach dieser Beteiligungsverfahren, der laufenden wie der zukünftigen. Dies schreibt der Hamburger Senat in einer Drucksache fest.
Hafencity Universität Hamburg
Die HafenCity Universität Hamburg (HCU) wurde 2006 von der Freien und Hansestadt Hamburg durch die Zusammenführung von vier Fachbereichen aus drei Hamburger Hochschulen gegründet. Die Universität für Baukunst und Metropolentwicklung richtet Lehre und Forschung auf die Zukunft von Metropolen aus. Mit seinem City Science Lab beteiligt sich die HCU an der Entwicklung des Online-Beteiligungstools DIPAS und ist zudem für die Auswertung des Tools in den verschiedenen Erprobungsschleifen zuständig.
Landesbetrieb für Geoinformation und Vermessung
Der Landesbetrieb für Geoinformation und Vermessung ist eine Einrichtung der Hamburger Verwaltung unter Aufsicht der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen. Er ist zentraler Ansprechpartner für die Abgabe analoger und digitaler Geobasisdaten und deren Nutzung in geographischen Informationssystemen. Der LGV erstellt Geodatenanwendungen auf Basis von standardisierten Geo-Webdiensten und interaktiven Kartennutzungsmöglichkeiten. Dabei spielen Portal-Lösungen und Beteiligungsplattformen eine wesentliche Rolle. So ist der LGV gemeinsam mit der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen und der HafenCity Universität Hamburg an der Entwicklung des Online-Beteiligungstools „DIPAS“ beteiligt.

News

DIPAS – Digitales Partizipationssystem
Wie digitale Technologien als Chance für bürgernahe Stadtentwicklung genutzt werden
24.10.2019
Der Stuttgarter Hauptbahnhof, die Elbphilharmonie in Hamburg, der geplante Ausbau der Energienetze – große Bauprojekte haben gezeigt, wie wichtig es ist, Bürgerinnen und Bürger in Entscheidungsprozesse einzubinden und Möglichkeiten der Beteiligung zu schaffen. Digitale Anwendungen können helfen, auch Nicht-Experten umfassend zu informieren und deren Bedürfnisse im Planungsprozess zu berücksichtigen. Die Stadt Hamburg beschreitet mit dem Tool DIPAS neue Wege.

Adresse des Praxisprojekts

Neuenfelder Straße 19, 21109 Hamburg,