OMEGAHAUS Offenbach: Mängelmanagement über BCF

Die LeitWerk AG ist ein Ingenieurbüro für Planung, Bau- und Projektmanagement mit sieben Standorten innerhalb Deutschlands, das jahrelange Erfahrung im Projektmanagement, der Bauüberwachung und Projektleitung sowie dem Qualitäts- und Konfliktmanagement aufweist. Seit kurzem wird das Mängelmanagement über ein Common Data Environment (CDE) mittels BIM Collaboration Format (BCF) durchgeführt.

Ausgangslage

Für viele Baumanager wird der Koordinierungsalltag zunehmend komplexer. Die automatisierte Kollisionsprüfung deckt oft mehr Planungsherausforderungen auf, als früher entdeckbar waren. Auch die Anzahl der Mängel steigt durch Termindruck, Fachkräftemangel und überlastete Firmen weiter an. Ziel der LeitWerk AG ist es, die Kommunikation von Mängeln und Kollisionen mit den ausführenden Firmen und Planern direkt über das Modell vornehmen zu können. Dieser Prozess soll die Effizienz steigern und Missverständnisse weitestgehend vermeiden.

Nachdem gemäß den Anforderungen ein CDE ausgewählt wurde, konnte 2020 in einem ersten Pilotprojekt die Kommunikation von Mängeln über BCF getestet werden. Durch den Erfolg in dem Pilotprojekt wird diese Vorgehensweise sukzessiv auf weitere Projekte angewendet.

Ablauf

Ein Projekt, welches derzeit von der Kommunikation über das CDE profitiert, ist das OMEGAHAUS in Offenbach, das im Zuge von Renovierungsarbeiten zu einem modernen Bürogebäude angepasst wird (s. Abbildung 1 und 2: OMEGAHAUS). Es besteht aus vier Bauteilen, die durch eine Rotunde miteinander verbunden sind (s. Abbildung 3: Gesamtansicht im CDE). Das Gebäude wird bis zu 3.000 Arbeitsplätze bieten und über eine Vielzahl an Aufenthalts- und Servicequalitäten im Erdgeschoss verfügen.

Im ersten Schritt wurde das Projekt und das zugehörige 3D Modell im CDE hinterlegt. Nachfolgend wurden alle Beteiligten in die Plattform aufgenommen und der Zugang an die jeweiligen Parteien verteilt. In diesem Projekt handelte es sich dabei um alle ausführenden Firmen, den Architekten, den Fachplaner, die Ausführungsplaner, den LEED-Gold-Zertifizierer, die Objektüberwachung, die Projektsteuerung und den Bauherrn. Um allen Beteiligten die passenden Rechte gemäß ihrer Rolle im Projekt einrichten zu können, wurden sie in verschiedene Benutzergruppen eingeordnet. So sind der Bauherr und die Objektüberwachung zum Beispiel als Beobachter angelegt (s.  Abbildung 4: Benutzergruppen). Ebenso sind Arbeitspakete zu verschiedenen Themen wie beispielsweise die LEED-Zertifizierung festgelegt worden, innerhalb welcher die betroffenen Projektbeteiligten kommunizieren können (s. Abbildung 5: Arbeitspakete).

Diese Projektstruktur muss zu Beginn jedes Projektes aufgesetzt werden. Die Aufgaben- und Rechtezuordnung kann bei Bauvorhaben mit vielen Projektbeteiligten komplex sein. Dann ist die Erstellung zeitintensiv und kleine Fehler sind nicht zu vermeiden, wenn beispielsweise neue Beteiligte noch nicht zum Projekt hinzugefügt wurden oder falsche Rechte erhalten haben. Der Ablauf verbessert sich aber mit jeder Anwendung durch die Erfahrung der Nutzenden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit den Support von CDE-Plattformanbietern in Anspruch zu nehmen, wenn Fehlerquellen einmal nicht selbstständig ausgemacht werden können. 

Der letzte Schritt der Einrichtung ist es zu bestimmen, welche Themen über das BCF kommuniziert werden sollen. Beim Projekt OMEGAHAUS waren das die Punkte Bestandsabweichung, Klärung, Mängelanzeige, Qualitätsprüfung, Restleistung und Zusatzleistung (s. Abbildung 6: Protokollpunkt Typen).

Nun können Protokollpunkte im 2D Plan bzw. 3D Modell angelegt werden. Dafür wählt man in einer Maske eines der eben genannten Themen wie beispielsweise die Mängelanzeige aus und fügt die entsprechenden Informationen (Verortung, Beschreibung, Fotos und sonstige Dateien) hinzu. An dieser Stelle kann bereits ein Verantwortlicher mit den Mängeln verknüpft werden (s. Abbildung 7: Formular Protokollpunkt). Die angelegten Protokollpunkte sind nun auf der linken Seite in einer Aufgabenliste, sowie verortet im 2D Plan wiederzufinden (s. Abbildung 8: Mängelliste im 2D Plan). Die Darstellung kann auf das 3D Modell erweitert werden, was insbesondere in Deckenbereichen für die Kontrolle von Leitungsführungen hilfreich ist (s. Abbildung 9: Ansicht im 3D Modell).

Der ausgewählte Verantwortliche erhält in seinem Posteingang nun die gesetzte Mängelanzeige mit dem Auftrag zur Bearbeitung bzw. Klärung. Die LeitWerk AG, als Bauherrenvertretung, hat einen Gesamtüberblick darüber wer welche Mängel, Klärungspunkte und Restleistungen angelegt und zugeteilt bekommen hat und kann die Prozesse so verfolgen, dokumentieren und steuern. 

Durch die Einführung des CDE ergeben sich weitere Möglichkeiten im Bereich der Dokumentation und des Qualitätsmanagements. So können beispielsweise über die Metadaten der Fotos, sprich Erstellungsdatum und -zeit, eine Fotodokumentation über den Bauablauf ausgegeben, gefiltert und gesucht werden. Darüber hinaus kann durch 3-D-Kameras bereits ein Foto pro Raum den gesamten Baufortschritt dieses Raumes abbilden und dokumentieren. Die Möglichkeiten die Qualität, anhand von Berichten und Bautagebüchern, im gleichen Tool online festzuhalten zu können, erleichtern die Bauprozesse enorm. Die Vorteile der modellgestützten Kommunikation liegen auf der Hand.

Fazit

Für die LeitWerk AG kristallisiert sich heraus, dass sobald ein Projekt auf der Plattform eingerichtet ist, die Mängelkommunikation über BCF eine große Erleichterung in der Projektkommunikation bringt. Das System zeichnet auf, wer wann welche Anmerkungen hinzugefügt hat und ermöglicht so eine zuverlässige Chronologie und damit eine vereinfachte Berichtserstellung. Klärungsbedarfe, die in vorherigen Projekten bestanden, erübrigen sich heute durch die genaue Verortung im 3D Modell und dem verlinkten Bildmaterial.

Das CDE soll Bauherren künftig immer angeboten werden, mit dem Wunsch und dem Ziel, dass ein Großteil der Projektkommunikation darüber stattfinden wird. Um alle Vorteile auszuschöpfen, arbeitet das Unternehmen daran, das gesamte Projektteam überall einzubeziehen.

Beteiligte Organisationen

Jade Hochschule, Fachbereich Bauwesen und Geoinformation / Lehreinheit Bauwesen, Studienort Oldenburg
Der Fachbereich Bauwesen und Geoinformation der Jade Hochschule ist mit seinen ca. 1.500 Bauingenieur- und 400 Architekturstudenten bundesweit einer der Größten dieser Art an einer Fachhochschule. Innerhalb dieses Fachbereichs besonders hervorzuheben sind die Bachelorstudiengänge "Bauingenieurwesen" und "Wirtschaftingenieurwesen Bauwirtschaft" sowie die Master-Studiengänge "Management und Engineering im Bauwesen" und "Facility Management und Immobilienwirtschaft". BIM-Aktivitäten an der Jade Hochschule konzentrieren sich an dem im Jahr 2010 gegründeten "Institut für datenbankorientiertes Konstruieren im Ingenieurbau". Seither hat sich die Jade Hochschule umfangreiche Kompetenzen bei der Verankerung von BIM-Methoden in der Ingenieurausbildung erarbeitet. Diese haben zunächst im Lehrplan des Bachelor-Studiengangs Bauingenieurwesen Eingang gefunden. So werden bereits im Grundstudium Gebäudemodelle mithilfe von objektorientierten CAD-Programmsystemen erstellt und anhand von 3d-Drucken verifiziert. Im darauf aufbauenden konsekutiven Master-Studiengang „Management und Engineering im Bauwesen“ stehen Projektarbeiten im Vordergrund, deren zentrale Aufgabe eine datenbankbasierte Modellierung eines Ingenieurbauwerks ist, einschließlich der Simulation von Bauablauf und statischer Beanspruchungen. Das virtuelle 3d-Modell liefert die Daten zur Massenermittlung, Bauablaufplanung und Ausschreibungsplanung. In Kooperation mit Ingenieurbüros und Bauunternehmen sind diverse Bachelor- und Masterarbeiten mit BIM-Inhalten entstanden. Diese haben zum Teil überregionale Auszeichnungen erhalten, beispielsweise durch die Ingenieurkammer Niedersachsen.
  • Oldenburg
LeitWerk AG

Die LeitWerk AG ist ein Ingenieurbüro für Planung, Bau- und Projektmanagement mit sieben Standorten innerhalb Deutschlands, das jahrelange Erfahrung im Projektmanagement, der Bauüberwachung und Projektleitung sowie dem Qualitäts- und Konfliktmanagement aufweist.

News

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Technischer Bericht | Projektkoordination
12.07.2022
Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen hat einen neuen Technischen Bericht zum Thema Projektkoordination veröffentlicht. Der Technische Bericht gibt Einblicke in die Nutzung von Common Data Environment (CDE), dem BIM Collaboration Format (BCF) und dem buildingSmart Data Dictionary (bSDD).
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Umsetzungsprojekt: OMEGAHAUS Offenbach - Mängelmanagement über BCF
22.03.2022
Das Ingenieurbüro LeitWerk AG führt sein Mängelmanagement seit kurzem über ein Common Data Environment (CDE) mittels BIM Collaboration Format (BCF) durch. Bei den Renovierungsarbeiten am OMEGAHAUS in Offenbach haben sie uns einen Einblick in ihre Arbeitsweise gegeben.