Einblicke in die digitale Realität der Bauwirtschaft beim Elbedomeevent in Magdeburg

Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen

Gut 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen am Elbedome-Event in Magdeburg teil und erhielten in zahlreichen Praxis-Vorträgen Einblick in die Digitalisierung der Wertschöpfungskette Bau. Staatssekretär Thomas Wünsch vom Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt hob in seinem Grußwort die Bedeutung der Bauwirtschaft für das Land hervor. Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen organisierte die Veranstaltung gemeinsam mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Magdeburg, der Ingenieurkammer Sachsen-Anhalt und dem Baugewerbeverband Sachsen-Anhalt.

„Die Bauwirtschaft im Land erwirtschaftet gut fünf Prozent der gesamten Wertschöpfung“, stellte Thomas Wünsch zu Beginn seines Grußwortes beim Elbedome-Event in Magdeburg klar. In Sachsen-Anhalt seien es sogar über sieben Prozent. Kleine und mittlere Unternehmen erwirtschaften davon einen Großteil. Die Bauwirtschaft stehe hierzulande vor der Herausforderung des Fachkräftemangels, wenn ein Drittel der derzeit am Bau Beschäftigten in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Daher sei es „klug über den Einsatz digitaler Lösungen nachzudenken“, die diesen Wandel abfedern helfen können. Der Staatssekretär forderte in diesem Zusammenhang auf, auch über den „Tellerrand“ Sachsen-Anhalts hinauszublicken: Beispielsweise nach Dänemark, wo seit 2007 öffentliche Ausschreibungen nur noch digital vergeben werden. Die Digitalisierung der Bauwirtschaft liege gemessen an Dänemark etwa zehn Jahre zurück, denn bereits 2007 wurde beim nördlichen Nachbarn die digitale Bauwerksdatenmodellierung BIM für alle staatlichen öffentlichen Projekte vorgeschrieben. Dr. Rainer Berger vom Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen und der Ingenieurkammer Sachsen-Anhalt sieht allerdings nicht nur die Politik in der Pflicht, sondern auch hiesige Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger. Etwa bei der Baugenehmigungsplanung zwischen Bürgern und Behörden, wo digitale Prozesse wie der Bauantrag Online die Antragsstellung beschleunigen könnten. Insgesamt sei ein Zusammenarbeiten aller Beteiligten notwendig, sagte Rainer Berger in seiner Begrüßungsrede. Dass die Einführung der Digitalisierung auch mit Kosten verbunden sei, betonte Giso Töpfer vom Baugewerbeverband Sachsen-Anhalt.

Was heute schon digital möglich ist, belegten die gut 20 Praxis-Vorträge, die eine große Vielfalt aufwiesen: Vom kleinen „Drei-Mann-Stuckateur-Betrieb“ bis hin zum großen mittelständischen Unternehmen mit über 30.000 Mitarbeitern wurden Lösungen und Anwendungen vorgestellt und vor allem bewiesen, dass das Arbeiten mit digitalen Techniken und Methoden deutliche Vorteile und Gewinne bringt. Punktwolkenscans von Gebäuden, 3D-Druck für den Bau und IT-Programme für den digitalen Bauantrag vermittelten einen Eindruck über die Digitalisierungsmöglichkeiten für die Baubranche. „Insgesamt führt die Digitalisierung zu einer größeren Arbeitsteilung, mehr Daten und automatischen Prozessen“, so Frank Silber, der in seinem Vortrag die Digitalisierung eines Stuckateurbetriebes darstellte. Wie weit die Digitalisierung dann teilweise doch auch hierzulande ist, zeigte ein Vortrag über ein Pilotprojekt im Landkreises Nordwest-Mecklenburg, wo der digitale Bauantrag bereits heute Realität ist.

Den Besucherinnen und Besuchern bot sich beim Elbedome-Event natürlich auch die Möglichkeit, den Elbedome selbst zu erleben. Der Elbedome ist mit 25 Laserprojektoren eines der größten Mixed-Reality-Labore in Deutschland. Projekte können in diesem in 360 Grad interaktiv erlebt und begangen werden – die virtuelle Welt erscheint dabei lebensecht und überraschend plastisch. So lassen sich selbst hochkomplexe Planungen von neuen Fabrikgebäuden und Räume schon lange vor dem eigentlichen Bauen mithilfe der Technologie auch größeren Gruppen anschaulich vermitteln. So können die virtuellen Räume regelrecht “begangen” werden und so direkt erlebt werden, ob deren Anordnung oder auch Aufteilung für den späteren Nutzen auch wirklich gut geplant sind. 


04.02.2020

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