Auf 4.0 bauen: Digitale Initiativen und praxisorientierte Lösungen


Am 12. Februar 2020 insgesamt über 800 Teilnehmer beim Forum des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Planen und Bauen auf der digitalBAU in Köln: Groß ist das Orientierungsbedürfnis im Transformationsprozess zur Digitalisierung in der Bau- und Immobilienbranche. Gerade kleine und mittlere Unternehmen aus Planung, Bau, Handwerk und Betrieb stehen vor gewaltigen Herausforderungen: Wie reagieren sie auf die Veränderungen durch die neuen Technologien, Methoden und Produkte? Welche sind für die gesamte Wertschöpfungskette relevant? Und was bedeuten diese Veränderungen für ihr Geschäftsfeld? Wie stellen sich mittelständische Unternehmen darauf ein? Und welche Vorteile gewinnen sie aus den aktuellen Entwicklungen für ihre internen Prozesse und ihr Angebot an die Kunden? Antworten darauf gibt die vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Initiative Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen. Am 12. Februar 2020 berichteten auf der Messe digitalBAU 2020 in Köln 21 Sprecher*innen aus ihren konkreten Erfahrungen entlang des Immobilienlebenszyklus. Groß war das Interesse an ihren Erfahrungen, über 800 Teilnehmer folgten ihren Ausführungen im Laufe des Tages beim Forum „Auf 4.0 Bauen: Digitale Initiativen und praxisorientierte Lösungen.“

Handwerk hat goldenen Boden. Dieses Sprichwort ist bekannt. Doch bleibt das auch so im Zuge der Digitalisierung? Was die aktuellen Entwicklungen an Herausforderungen in der Gegenwart mit sich bringen, und welche Lösungen sich daraus für die Zukunft eröffnen, stellte Michael Heil vom eBusiness-Kompetenzzentrum in Kaiserslautern (Teilzentrum Mitte / Handwerk) dar. Mit konkretem Beispiel untermauerte dies Michael Christmann, Inhaber eines Stuckateurbetriebs: In Zeiten akuten Fachkräftemangels gewinnt das Handwerk mit der Digitalisierung einerseits an Attraktivität, andererseits nimmt die Technik auch Arbeiten ab, so dass eine Konzentration auf das Wesentliche, nämlich das Handwerk, möglich wird. Ingo Reifgerste, Vorsitzender des Betriebswirtschaftlichen Ausschusses im Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) ermutigte Nachwuchskräfte und betonte, wie attraktiv das Berufsbild längst geworden ist.

Dass die Planung von Neu- und Umbauprojekten nun aber deutlich einfacher auch vom Ende her gedacht werden kann und muss, zeigten Beispiele, die Prof. Dr.-Ing. Hans-Hermann Prüser, Dekan an der Jade Hochschule Oldenburg (Teilzentrum Nord / Planen), aufzeigte. Stefanie Radek, Leiterin Kompetenznetzwerk BIM beim Gebäudemanagement Schleswig-Holstein, berichtete davon, wie das digitale Bauwerksmodell als integrierter Prozess aus dem Einsatz von CAFM heraus in die Planungs- und Bauphase hineinwirkt. Und Thomas Bender, Vorstand im Verband für die Digitalisierung im Immobilienbetrieb, CAFM RING e. V. machte deutlich, wie Gebäude und Dienstleistungen smarter werden, wenn der Grundstock der erforderlichen Datenbasis bereits in der Planung angelegt wird.

Tatsächlich wird der größte Nutzen eines digitalen Datenmanagements entlang des Immobilien Lebenszyklus im Facility Management und Gebäudebetrieb erwartet. Längst ist auch hier die Forschung konkret mit Vorteilen für die Anwender: Simulationsmodelle bilden den realen Gebäudebetrieb bereits in der Planungsphase ab. So sieht der Bauherr die Wirkungen möglicher Ausführungsvarianten schon vor Baubeginn, wusste Thomas Kirmayr, Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Valley (Teilzentrum Süd / Betreiben), darzulegen. Doch müsse dazu auch das „Silodenken“ in den Gewerken aufgebrochen werden, um die Anforderungen aus Planen, Bauen und Betreiben nutzenorientiert und standardisiert zu verzahnen, betonte Robert Oettl, Geschäftsführer, TÜV SÜD Advimo GmbH. Schließlich stünden in der gesamten FM-Branche jetzt mehr Veränderungen an, als in den letzten 30 Jahren zusammen, so Prof. Dr. Markus Thomzik von der Westfälische Hochschule: Allein die Plattformökonomie könnte sich in naher Zukunft als ein Menetekel der Digitalisierung entpuppen.

Was das aber konkret für die Baustelle und die Ausführung bedeutet, das wussten Stefanie Samtleben, Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in Magdeburg (Teilzentrum Ost / Bauen), Dr. Sven Herbert, Vorsitzender des BIM-AK im Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung e. V. (BTGA) sowie Dominik Steuer, Steuer Tiefbau GmbH, zu berichten - von der digitalen Bauakte bis zur KI-Anwendung, über die Optimierung der Baustellen-Logistik bis hin zum standardisierten Datenaustausch smarter Produkte.

Dass ein durchgängiges digitales Datenmanagement aber bereits in der Projektentwicklung beginnt – und damit Transparenz und Kostensicherheit geschaffen werden können, verdeutlichten Moritz Bischof, Institut für Mittelstandsforschung (ifm) der Universität Mannheim (Teilzentrum West / Projektentwicklung), und Stefan Stenzel, Manager Development Monitoring, Cushman & Wakefield GmbH: Letztlich geht es darum, Datenpotenziale zu heben und damit Risiken zu reduzieren. Es war dann Guido Müller, Leiter Bereich Bau bei der Deutschen Bundesbank, der erstmals das wohl größte Bauvorhaben der öffentlichen Verwaltung in den kommenden Jahre, den neuen Bundesbank-Campus in Frankfurt, vorstellte. BIM versteht er vor allem als Building Information Management – BIM als Projektleitungsmethode.

Gelingen aber könne die Transformation zur Digitalisierung in der traditionsbewussten Bau- und Immobilienwirtschaft schließlich am besten dann, wenn auch kulturelle Grenzen überwunden würden. Collaboration sei eine „sine qua non“: Wilhelmina Katzschmann, Vizepräsidentin der Ingenieurkammer Rheinland- Pfalz, zusammen mit Sven-Eric Korff, Geschäftsführer der M&P-Gruppe, Dr. Uwe Forgber, Geschäftsführer Real Cube GmbH, Robert Oettl, Geschäftsführer, TÜV SÜD Advimo GmbH und Dr. Jan Tulke, Geschäftsführer, planen-bauen 4.0 Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens, und Betreibens mbH (Teilzentrum West), richteten in der Abschlussdiskussion den Appell an die Eigenverantwortung und das Miteinander. Zudem sei das bewährte Baumeister-Prinzip auch in neuen Zeiten bedeutender denn je.

Wie auch hier die Fachverbände, wie etwa die Bundesarchitektenkammer oder die Netzwerkinitiative Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen, alle am Bau entlang der Wertschöpfungskette Beteiligten konkret unterstützen und helfen können, das hatten zum Auftakt des Forums Martin Müller, Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer, und Dr. Jan Tulke, Geschäftsführer, planen-bauen 4.0 Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens, und Betreibens mbH, angeregt: Anfragen, aus Erfahrungen anderer lernen, mitmachen. An genau der Stelle setzt das Mittelstand 4.0 - Kompetenzzentrum Planen und Bauen an und bietet neutrale und kostenfreie Angebote – ganz im Zeichen des Wissenstransfers.

Über 800 Teilnehmer folgten diesen Ausführungen am 12. Februar auf der erfolgreichen Premiere der digitalBAU. In Summe ein nachhaltiges Konzept, das betonte auch Jürgen Utz, Abteilungsleiter der DGNB Akademie, der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen. Schließlich steht das Optimierungspotenzial der Prozesse entlang der Kette Projektentwicklung – Planen – Bauen – Handwerk – Betreiben – Entsorgen – Wiederverwendung für den bewussten Umgang mit Ressourcen. Der Immobiliensektor gilt als einer der Schlüsselfaktoren beim Klimaschutz. Immobilien tragen zusammen mit der Bauwirtschaft weltweit etwa 40 Prozent zu den Kohlendioxid-Emissionen bei. In Deutschland sind Gebäude für etwa ein Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich.

Durch den Tag führten Torsten Ernst und Jürgen Winkler von HUSS-MEDIEN.


28.02.2020

Termine

Mittwoch12.02.202010:00-17:00
Kompetenzzentrum auf der digitalBAU

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