PropTechs: Höhenflug im Schatten von Covid-19?


Ob Online-Mietbesichtigungen, digitale Verwaltungsplattformen oder vernetzte Gebäudeinfrastrukturen – angesichts der Corona-Pandemie offenbaren sich vielfältige Chancen für PropTech-Anwendungen in der Immobilienbranche. Vor welchen Herausforderungen PropTech StartUps dennoch stehen und welche Segmente besonders profitieren könnten, zeigt der nachfolgende Beitrag.

PropTechs - das sind zumeist StartUps mit innovativen Geschäftsmodellen und technischen Lösungen, die den digitalen Transformationsprozess der Immobilienbranche vorantreiben. Das Mittelstand 4.0 - Kompetenzzentrum Planen und Bauen hat bereits in einem früheren Beitrag über die vielfältigen PropTech Anwendungsfelder und Potenziale berichtet. Dem GlobalPropTech Survey 2019 zufolge ist sich die Immobilienbranche zwar dem möglichen Transformationspotential durch neue Technologien bewusst, dennoch war bei 71% der Unternehmen eine unternehmensweite Digitalisierungsstrategie zum Befragungszeitraum nicht existent. Angesichts der Corona-Pandemie sieht sich die Immobilienbranche sicherlich einem erhöhtem „digitalen Innovationsdruck“ gegenüber. Die kurzfristige Einrichtung funktionierender Home-Office Strukturen kann dabei nur als Anfang verstanden werden. Ob nun auch ein grundlegender Digitalisierungsschub in der Immobilienbranche folgen wird, bleibt abzuwarten. Doch welche PropTech-Anwendungen können im Zuge der Corona-Pandemie besonders profitieren und können die innovativen StartUps trotz gesamtwirtschaftlichen Einbruchs zum Höhenflug ansetzen?

Erschwerte PropTech-Perfomanz: Liquidität sichern, Einnahmen maximieren

Es stellt sich zum einen die Frage, wie die zumeist jungen PropTech Unternehmen kurzfristig die Angebots- und Nachfrageshocks der Corona-Krise überstehen werden. Dabei unterliegt dem PropTech Markt grundsätzlich eine hohe Volatilität: Der Unternehmensberatung Deloitte zufolge schieden 2019 in Deutschland allein 50 Unternehmen durch Aufkauf oder Marktaustritt aus, während gleichzeitig 70 Neueintritte zu verzeichnen waren. Dabei ist die PropTech-Branche noch relativ jung - die Sicherstellung der Finanzierung ist vor allem für frühphasige StartUps eine der größten Herausforderungen. Angesichts der Corona-Krise könnten nun wichtige Finanzierungsrunden aufgeschoben werden oder gar ganz entfallen. PropTechs wären dann kurz- bis mittelfristig erheblichen Liquiditätsengpässen ausgesetzt, neue Projekte würden sich verzögern, der Absatz deutlich einbrechen. StartUps mit kürzlich abgeschlossenen Finanzierungsrunden können zwar zuversichtlicher in die Zukunft blicken, werden jedoch vorsichtiger agieren müssen.

Nachfrage trifft auf PropTech Speziallösung

Sofern PropTech StartUps zum jetzigen Zeitpunkt ein auf die bestehende Nachfrage der Immobilienbranche abgestimmtes Angebot haben, bietet die Corona-Pandemie für die Sichtbarkeit diverser PropTech-Anwendungen sicherlich Chancen. Dabei ist der deutsche PropTech Markt grundsätzlich sehr heterogen aufgestellt. So können laut der Analyse der Unternehmensberatung Deloitte rund 30% der PropTechs in Deutschland dem Anwendungsbereich Verkauf und Vermietung zugeordnet werden, 25% fokussieren sich auf neuartige Gebäudetechnologien, wie etwa „Virtual Reality“ oder „Smart Building“ und 20% streben mit ihrem Geschäftsmodell die Digitalisierung der Immobilienverwaltung an. Der Rest kann den Bereichen Investment und Baumanagement zugeordnet werden. Den doch unterschiedlich aufgestellten PropTech StartUps ist dabei lediglich gemeinsam, dass diese aufgrund der komplexen Prozesse des Immobilien- und Baumanagements oftmals nur Einzellösungen anbieten können.

Hoch im Kurs: digitale Lösungen zur Prozessoptimierung, Kommuniktion mit Endpartnern und smarten Gebäudetechnologie

Laut der Beteiligungsgesellschaft blackprint Boosters würden derzeit insbesondere PropTech-Lösungen nachgefragt, die schnell und effektiv Optimierungen ohne wesentliche interne Prozessveränderungen in den Immobilienunternehmen herbeiführen könnten. Hier seien beispielsweise Smart-Data Anwendungen oder das digitale Dokumentenmanagement genannt. Insbesondere die PropTech-Segmente Immobilienverwaltung und smarte Gebäudetechnologien könnten von der Corona-Pandemie profitieren. Großes Potenzial wird dabei Anbietern von digitalen Lösungen nachgesagt, die eine effektive Interaktion und Kommunikation mit Endpartnern entlang des Verkaufs- und Vermietungsprozesses ermöglichen. So eignen sich etwa digitale Plattformen für das Management von Verwaltungsaufgaben: Von der Online-Terminbuchung bis hin zur Vertragsabwicklung können die Prozesse dabei digital abgebildet werden. Zudem könnte der Mehrwert von Apps für die digitale Kommunikation etwa für die Bewohner eines Mietobjektes in Zeiten sozialer Distanzierung ersichtlicher werden. Ferner dürften durch die Corona-Krise auch solche PropTech-Anwendungen Aufwind erfahren, die dem Personalausfall bedingt Bauverfahren rationalisieren und durch Prozessautomatisierung Kosteneinsparungen ermöglichen.  

Im Aufwind: Potenziale und Mehrwert der PropTech-Anwendungen werden sichtbarer

Viele junge, innovative PropTech Unternehmen sehen sich angesichts der Corona-Krise einigen wirtschaftlichen Herausforderungen gegenüber. Auch werden mit Blick auf die vielen Einzellösungen krisenunabhängige Hürden wie etwa die Sicherstellung der Schnittstellenkompatibilität und die ganzheitliche Integration in bestehende ERP-Systeme nicht von heute auf morgen lösbar sein. Dennoch können PropTechs gerade in Krisen-Zeiten als Innovationsmotoren fungieren. Dabei werden diejenigen StartUps erfolgreich sein, die sich entsprechend anpassen und entschlossen improvisieren können. Angesichts des externen Corona-Schocks werden sicherlich die Vorteile schnellerer und grundlegender digitaler Prozesse wie etwa die Verfügbarkeit von Echtzeit-Informationen, Zeitersparnisse oder Produktivitätszugewinne auch für Immobilienunternehmen sichtbarer - so dass mittel- bis langfristig sowohl PropTechs als auch Immobilienunternehmen zum „digitalen“ Höhenflug ansetzen könnten. 

Weitere Quellen:


06.05.2020

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