Rückblick: Viertes Fachsymposium „Digitalisierung und Projektentwicklung“


Am 13. April 2021 fand das vierte Fachsymposium „Digitalisierung und Projektentwicklung: Chancen, Herausforderungen, Lösungen“ statt. Mehr als 80 Teilnehmer aus der Bau- und Immobilienbranche zeigten großes Interesse an den vielfältigen Anknüpfungspunkten der Digitalisierung in der Projektentwicklung.

Wie die Geschäftsprozesse in vielen Bereichen der Projektentwicklung durch digitale Technologien optimiert werden können, zeigten die Referenten des vierten Fachsymposiums „Digitalisierung und Projektentwicklung“, welches am 13. April 2021 stattfand.

Projekt- und Risikomanagement

Das interdisziplinäre Management planungs- und baubezogener Prozesse ist wesentlicher Bestandteil der Projektentwicklung. Andrei Savaniu demonstrierte in seinem Vortrag, wie diese Prozesse digital dokumentiert und durchgängig abgebildet werden können. Der BIM-Manager bei der Schultheiß Projektentwicklungs AG stellte dabei eine modular aufgebaute Systemlösung vor, mit der Projekt- und Grundstücksdaten aus der Projektierung digital erfasst werden können. Mit der Einbindung eines CRM-Systems und eines Controlling-Cockpits können diese Daten durchgängig über alle Leistungsphasen hinweg verwendet werden. So können alle am Projekt Beteiligten auf stets aktuelle Informationsquellen zurückgreifen, was die Projektkommunikation erheblich erleichtere, so Andrei Savaniu.

Bei der Projektierung von Immobilien steht auch die Risikovermeidung an erster Stelle. Michael Weniger, Vorstandsvorsitzender der PROJECT Real Estate AG, verdeutlichte in seinem Vortrag, wie mittels digitaler Analyse- und Monitoringtools Risiken identifiziert und kontinuierlich überprüft werden können. In einer Risikobewertungsdatei, inklusive einer Top10 an potentiellen Risiken, werden entsprechende Steuerungsmaßnahmen aufgezeigt, so dass die Projektplanung frühzeitig angepasst werden kann.

Immobilienbewertung und Grundstücksverkauf

Das Potential neuer Technologien ist auch bei der Bewertung von Immobilien hoch. Monika Preithner, Geschäftsführerin der LBImmoWert, präsentierte in ihrem Vortrag die vielfältigen digitalen Lösungen, die ihr Unternehmen bereits entwickelt hat, um interne Prozesse zu optimieren und kundenspezifischen Anforderungen besser gerecht zu werden. So können beispielsweise Kunden der LBImmoWert über eine digitale Plattform den Wert ihrer Immobilien direkt und sicher ermitteln lassen. Aufträge können dadurch für die LBImmowert schneller akquiriert und Arbeitsprozesse effektiver zusammengeführt werden.

Im Anschluss zeigte Jan Hoffmeister, CEO der Drooms AG, wie die Verwaltung und der Verkauf von Objekten zentral über eine digitale Plattform erfolgen kann. Dabei werden wesentliche Informationen zum Objektmanagement auf der Plattform gehalten, die jederzeit genutzt werden können. Gerade für die vernetzte Immobilienwirtschaft, so Jan Hoffmeister, sei die zentrale Datenhaltung von Vorteil, da hier eine Vielzahl von Akteuren – vom Facility Manager bis hin zum Notar – in den Transaktionen involviert sei. In so genannten virtuellen Datenräumen können dann für jedes Objekt vertrauliche Geschäftsinformationen sicher gespeichert, verwaltet und an befugte Personen weitergegeben werden.

Standortanalyse und Grundstücksvermessung

In Projektentwicklungen steht die wirtschaftlich-optimale Verwendung eines vorhandenen Standorts im Vordergrund. Digitale Planungswerkzeuge können dabei frühzeitig den Entwicklungsprozess unterstützen, um datenbasiert und in kürzester Zeit verschiedene Grundstücksszenarien aufzuzeigen. Wie das in der Praxis funktioniert, demonstrierte Max Rudolph, Co-Founder der Form Follows You GmbH. Auf Basis von Geoinformationsdaten und unter Berücksichtigung wichtiger Planungsparameter (z.B. Grundstückkennzahlen, Umgebungsbebauung, Besonnung), können so unterschiedliche Planungsszenarien in Zusammenarbeit mit Projektentwicklern erstellt und in 3D-Dateien gespeichert werden.

Falls große Plangebiete erst noch erschlossen werden müssen, können Drohnen zur präzisen Erfassung dieser Flächen beitragen. Samuel Flick von der mdGroup GmbH erläuterte in seinem Vortrag, wie Drohnenaufnahmen zusammen mit Rohdaten zu einer georeferenzierten Punktwolke generiert werden können. Die Schritte zur Weiterverarbeitung zu 3D-Modellen erklärte sein Co-Referent Alexander Schmidt von der Gottlieb Nestle GmbH, der abschließend die Vermessungsmöglichkeiten auf der 3D-Oberfläche des Modells aufzeigte.

Das vierte Fachsymposium des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Planen und Bauen verdeutlichte wieder, dass die Digitalisierung in vielen Bereichen der Projektentwicklung neue Chancen etwa zur Effizienzsteigerung birgt. Gleichzeitig bestehen noch viele Herausforderungen, wie beispielsweise fehlende Informationen, mehrfache Datenhaltung oder die Inkompatibilität verschiedener Softwareprogramme.

Letztlich ist die Digitalisierung sicherlich kein Selbstzweck: Der optimale Digitalisierungsgrad folgt den unternehmensindividuellen Zielen. Um aber Orientierung bei der digitalen Transformation in der Bau- und Immobilienbranche zu geben, zeigt das Kompetenzzentrum Planen und Bauen die Vielfalt digitaler und marktreifer Anwendungen auf.


16.04.2021