Baumaschinenpark ist bereit für die digitale Baustelle 

AFZ Walldorf

Das Kompetenzzentrum Baumaschinentechnik des Aus- und Fortbildungszentrums (AFZ) Walldorf erfüllt mit neuen innovativen Baumaschinen die Anforderungen an eine zukunftsweisende Aus- und Weiterbildung im Baumaschinenbereich. Zwei neue Baumaschinen ergänzen die Möglichkeiten, die Automatisierung und Digitalisierung der Baustelle praxisnah zu erleben und diese in die Baumaschinenausbildung einfließen zu lassen. Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen kooperiert mit dem ASZ Walldorf.

Weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt ist das Bildungswerk BAU Hessen-Thüringen mit seinem  Aus- und Fortbildungszentrum (AFZ) Walldorf. Das AFZ Walldorf ist eines der leistungsstärksten Ausbildungszentren der Baumaschinenausbildung in Deutschland. Es verfügt über eine überdurchschnittliche baumaschinentechnische Ausstattung, neueste Technologien, Hightech–Maschinen und qualifiziertes Personal und gilt als Top-Adresse für moderne, praxisnahe bau- und baumaschinentechnische Aus- und Weiterbildung. Künftige Baugeräteführer sowie Land- und Baumaschinenmechatroniker aus 13 Bundesländern lernen hier.

Der fünf Hektar große Baggerpark wurde nun um zwei weitere Baumaschinen erweitert. Ein Mobilbagger vom Typ Liebherr A914 und ein Raupenbagger vom Typ Liebherr R918 ergänzen die Möglichkeiten, die Automatisierung und Digitalisierung praxisnah in die Baumaschinenausbildung einfließen zu lassen. Das große Farb-Touch-Display, die Kompatibilität zu digitalen Vermessungsgeräten, vorgerüstete GPS-Komponenten und modernste Schnellwechsler für verschiedene Anbaugeräte ermöglichen einen Einsatz für die 3D-Baggersteuerung, die bei beiden Baggern ergänzt wurde.

Laut Ausbilder Thomas Bräutigam gibt es folgende Vorteile beim Einsatz einer 3D-Baggersteuerung:

  • Effizienzsteigerung durch Einsparung von Vermessungskosten 
  • Auspflocken entfällt, höhere Baufreiheit, da keine Pflöcke und Pinnen 
  • exakte Höhen und Neigung 
  • Genauigkeiten im Bereich von 1 bis 3 cm
  • weniger Materialaushub, Materialeinbau, Verdichtungsaufwand 
  • schnelle unkomplizierte Umsetzung von Planungsänderungen 
  • vollständige Dokumentation der Einbauleistung

Britta Rabe, seit 2017 Leiterin des Kompetenzzentrums Baumaschinentechnik des ASZ ergänzt: „Wir sind hier auf dem Weg zur Digitalen Baustelle. Wir können zeigen, wie modern und attraktiv der Beruf des Baugeräteführers geworden ist. Wir müssen Inhalte ausbilden, die die Wirtschaft erwartet. Dafür haben wir als Dienstleister der Bauwirtschaft in den letzten anderthalb Jahren ca. 1,2 Millionen Euro in moderne Technik investiert.“ Dazu gehören neben den zwei neuen Baggern auch eine ferngesteuerte Ammann-Grabenwalze und sechs Baumaschinensimulatoren. 

Die aktuellen Ausbildungszahlen belegen die Attraktivität des Baugeräteführers. Von 167 Auszubildenden die ihre Lehre zu Beginn des Ausbildungsjahres 2018/2019 in der überbetrieblichen Ausbildung im ASZ in Walldorf begonnen haben, wählte die Hälfte der Auszubildenden den Beruf des Baugeräteführers. Das aktuelle Lehrjahr werden noch 157 Auszubildende beenden. Nur sechs Prozent Abbruchquote im ersten Lehrjahr ist in der Baubranche ein guter Wert. Insgesamt 450 Auszubildende werden derzeit ausgebildet. „Die zahlreichen Anmeldungen für das das neue Lehrjahr  zeigen, dass sogar zwei Drittel den Beruf Baugeräteführer/-in erlernen wollen“, berichtet Britta Rabe. Dabei ist Praxisausbildung und die Modernität und Vielzahl der Baumaschinen der Schlüssel zum Erfolg: „Es nützt ja nichts, wenn die Auszubildenden nur einmal in der Woche in einem Bagger sitzen“, sagt Ralf Hanemann, Geschäftsführer des Bildungswerkes BAU Hessen-Thüringen.

Die beiden Neulinge, der Mobilbagger Liebherr A914 und der Raupenbagger Liebherr R918, im Fuhrpark haben Einiges zu bieten. Das zeigt schon der Blick auf das Datenblatt. Die 143 PS beziehungsweise 163PS starken Diesel-Motoren bewegen ein Einsatzgewicht von 16 bzw. 20 Tonnen. „Auch der Fahrkomfort ist bei den Modellen gut“, schwärmt Ausbilder Bräutigam. „Die Sitze sind luftgefedert und schwingungsgedämpft, die Steuerung kann individuell belegt und gespeichert werden.“ Es lassen sich verschiedene Modi einstellen und festhalten, so dass der Maschinenführer flexibler wird. „Natürlich ist die Fahrerkabine voll klimatisiert“, ergänzt Frank Lucas von der Nagel-Gruppe Erfurt, die die Maschinen geliefert hat. Bernd Stüber, ebenfalls Nagel-Gruppe Erfurt, erklärt:  “Für den Arbeitsschutz sorgen mehrere Außenkameras, die zusammen mit dem Sichtfeld eine 360-Grad-Perspektive ermöglichen.”

Auf die Arbeitsleistung, aber auch auf den Umweltschutz legten die Konstrukteure großen Wert: Partikelfilter, automatische Schmierung, hydraulische Wechsler, Motorabschaltung bei Stillstand sind einige Beispiele dafür. Beim schnellen vollhydraulischen Wechseln der vielfältigen Anbauwerkzeuge bleibt der Fahrer bequem im Fahrerhaus und Leckagen beim Kupplungsvorgang sind nahezu ausgeschlossen. „Wir nehmen unsere Aufgabe, gute Fachkräfte für die Wirtschaft aus- und weiterzubilden, ernst“, sagt Ralf Hanemann, der die Zusammenarbeit aller Beteiligten ausdrücklich lobt.

Profitieren von der neuen Technik können aber nicht nur die Auszubildenden. Jährlich werden durch die Mitarbeiter des AFZ Walldorf über 2000 Weiterbildungsteilnehmer geschult. Die Weiterbildungsangebote Baumaschinentechnik beinhalten u.a. die Grund- und Aufbaulehrgänge Geprüfter Bagger- und Laderfahrer, Geprüfter Turmdrehkranführer (mit ZUMBau-Prüfung) Gabelstapler-/Teleladerfahrer, Graderführer, sowie Unterweisungslehrgänge für Kleinbagger, Lader und Verdichtungsmaschinen. Digitalisierung, Automatische Maschinensteuerungssysteme sowie 2D- und 3D-Steuerungen bilden die Grundlagen für weitere Lehrgänge und bieten Inhalte für deutschlandweite Projekte. Mit dem „Schaufenster Baumaschinentechnik“ ist das AFZ Walldorf unter anderem Teil des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Planen und Bauen und an dem Projekt “DigiBau“ beteiligt.


21.08.2019